Umweltdaten
Fauna-Flora-Habitat-Gebiete

Nebenarme der Weser mit Strohauser Plate und Juliusplate

Beschreibung

Das FFH-Gebiet „Nebenarme der Weser mit Strohauser Plate und Juliusplate“ zieht sich als langgezogenes, aus mehreren Teilbereichen bestehendes Gebiet von Lemwerder im Süden bis zum abgeschalteten Kernkraftwerk Unterweser im Norden und liegt vorwiegend im Naturraum Wesermarschen. Neben dem niedersächsischen Abschnitt der Weser zwischen Lemwerder und Elsfleth umfasst das Gebiet vor allem Neben- und Altarme rechts und links der Weser sowie teils ehemalige, teils bestehende Flussinseln – Landschaftsformen, die durch die Dynamik der hier tidebeeinflussten Weser entstanden sind und noch heute, etwa 130 Jahre nach der Weserkorrektion, Zeugnis über die Gestaltungskraft des Flusses geben. Der Salz- und Gezeiteneinfluss der Nordsee zeigt sich insbesondere auf der Strohauser Plate im Norden des Gebiets sowie entlang des Rechten Nebenarms der Weser, welcher die Weserinsel Harriersand vom Festland abtrennt. Im tide- und salzbeeinflussten Gebietsteil, im Übergang zwischen Fluss und Meer, liegen die Lebensräume der Ästuarien: Die Ufer der Strohauser Plate, einer Flussinsel zwischen der Weser und einem linken Nebenarm, der Schweiburg, sind von Wattflächen und Röhrichtbeständen geprägt. Auch entlang des Rechten Nebenarms der Weser dominiert der Lebensraumtyp der vegetationsfreien Schlick-, Sand- und Mischwatten. Kleinflächig finden sich zudem Weiden-Auenwälder sowie feuchte Hochstaudenfluren. Auf der Juliusplate – einer ehemaligen Flussinsel, die seit der Festlegung des Weserlaufs zwar Teil des linken Ufers, durch die Westergate aber zum größten Teil vom Festland abgeschnitten ist – bestimmen unter anderem große Bestände artenreicher, feuchter Hochstaudenfluren, magere Flachland-Mähwiesen und ausgedehnte Röhrichte das Landschaftsbild. Auch von Weiden geprägten Weichholzauen sowie Hartholzauenwälder, die teilweise in alte, bodensaure Eichenwälder übergehen, stellen hier wertvolle Lebensräume dar und geben einen Einblick in das frühere Erscheinungsbild der heute stark überprägten Weseraue. Die Unterweser selbst, die vorwiegend innerhalb des stromabwärts angrenzenden FFH-Gebiets 203 „Unterweser“ liegt, sowie ihre Neben- und Altarme sind für einige anadrome, also vom Meer zum Laichen in die Flüsse wandernde Arten bedeutsam: Im Fluss kommt neben Fluss- und Meerneunauge die seltene und wie die beiden Neunaugenarten streng geschützte Finte vor. Auch die Teichfledermaus profitiert von den vielfältigen und naturnahen Habitaten entlang der Weser.
Veröffentlicht
Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L338 vom 23.12.2015, Seite 688 (Az: C(2015) 8219)

Wissen

Fauna-Flora-Habitat-Gebiete gehört zum Thema:

FFH-Gebiete sind Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Sie bewahren bedrohte Lebensräume sowie seltene Tier- und Pflanzenarten, die europaweit geschützt sind.

Grundlage ist die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. Der zentrale Gedanke: Artenvielfalt lässt sich nur durch ein vernetztes System von Schutzgebieten sichern, das Lebensräume verbindet und langfristigen Schutz ermöglicht.

Quellen und Lizenzen